Achtsamkeit auf einer höheren Ebene: Ein ganzheitlicher Blick
„Atme. Du lebst.“ (Thích Nhất Hạnh)
Im Frühling, wenn bereits die ersten Wildkräuter wachsen, nutze ich die Gelegenheit, um meinen Körper von den Altlasten des Winters zu entschlacken – Detox für Körper und Seele. Ich kochte also heute Morgen meinen Basentee (ich liebe die Teesorte mit den kleinen spirituellen Sprüchen auf den Schildchen) und als ich gespannt den heutigen Spruch las, war es mal wieder eines dieser magischen Momente, die das Universum mir in regelmäßigen Abständen beschert. „Wie kannst du das Hier und Jetzt auf eine höhere Ebene bringen?“
Oh ha…ich sitze seit gestern an meinem ersten Blog über Achtsamkeit. Aber dieses Thema ist schon ziemlich ausgelutscht (sorry für den Ausdruck, aber es ist nun mal so), also fragte ich mich, wie ich es interessanter gestalten könnte?!
Dieser kleine Impuls war mein fehlendes Puzzleteil. Danke liebes Universum! ☺️

Gedanken über Achtsamkeit
Achtsamkeit bedeutet, den Moment voll und ganz zu erleben, sich im Moment niederzulassen.
Es ist die Kunst, mit offenem, neugierigem und nicht-wertendem Bewusstsein im gegenwärtigen Augenblick zu verweilen. Thích Nhất Hạnh betont, dass unser tägliches Leben – ob beim Gehen, Essen oder Atmen – durch Achtsamkeit zu einer Quelle der Weisheit und des Friedens werden kann. Er lehrt uns: „Die Achtsamkeit ist der erste Schritt zur Veränderung. Wenn du im Hier und Jetzt bewusst lebst, eröffnen sich Möglichkeiten, die oft im Fluss des Alltags verborgen bleiben.“ Er rät uns selbst die Umarmung eines lieben Menschen zur Meditation werden zu lassen. Eine Umarmung, die plötzlich so bedeutungsvoll und tiefgründig für euch beide wird, dass ihr ab jetzt hoffentlich immer so umarmen werdet und Liebe hinaus in die Welt sendet. Er schreibt in seinem Buch „Ich pflanze ein Lächeln“: „Wenn du [d]ein Kind in den Armen hältst oder deine Mutter umarmst, deinen Mann, deine Freunde und dann dreimal [bewusst] ein- und ausatmest, wird sich dein Glück mindestens verzehnfachen.“ Und der Dalai Lama erinnert uns: „Wahre Freude entsteht, wenn wir uns im gegenwärtigen Moment verankern und uns von negativen Gedankenmustern befreien.“
Ideen für mehr Präsenz im Alltag & Erweiterung der Sinneswahrnehmung
Übe Achtsamkeit auch in alltäglichen Routinen
Beim Essen, Spazierengehen oder sogar beim Abwasch. Indem du dich in jeder Tätigkeit voll einbringst, hebst du den alltäglichen Moment in ein meditiertes Erlebnis. Dann gibt es keine Bewertung der Tätigkeit mehr und Hausarbeit wird nicht als Last empfunden.
Sensorische Schärfung
Lenke deine Aufmerksamkeit bewusst auf deine Sinne: Höre das Zwitschern der Vögel, spüre die sanfte Brise auf deiner Haut und nimm die warmen Farben des Morgens in dich auf. So wird der gegenwärtige Moment nicht nur wahrgenommen, sondern auch intensiver erlebt.
Körper-Geist-Verbindung
Praktiken wie Gehmeditation oder Yoga helfen, den Körper als wesentlichen Teil deiner Achtsamkeit zu erleben. Durch Bewegung und bewusste Atmung lernst du, deine körperlichen Empfindungen als Teil eines größeren Ganzen zu integrieren.
„Lerne, im Augenblick zu leben. Nur so wirst du die wahre Natur deines Geistes entdecken.“ Buddha
Matthieu Ricard, ein buddhistischer Mensch und Bestsellerautor, bringt uns nahe, dass Achtsamkeit der Schlüssel ist, um inneren Frieden zu kultivieren und den Geist zu schulen, sodass er sich nicht in oberflächlichen Gedanken verliert.
Wie hebt man Achtsamkeit also auf eine höhere Ebene?
Ricard beschreibt in seinem Buch „Meditation“ einen grundlegenden Aspekt des Bewusstseins, den er als die „luzide“ oder „leuchtende“ Natur des Geistes bezeichnet. Diese Eigenschaft ermöglicht es uns, alle Erfahrungen – seien es Gedanken, Emotionen oder Sinneseindrücke – wahrzunehmen. Diese grundlegende Bewusstseinsqualität ist neutral und wird nicht von den Inhalten beeinflusst, die sie wahrnimmt.
Er betont, dass unser Bewusstsein eine leuchtende Klarheit besitzt, die es uns ermöglicht, alle Erfahrungen wahrzunehmen, ohne von ihnen beeinflusst zu werden. Dieses Verständnis
kann uns dabei helfen, einen gelasseneren und bewussteren Umgang mit unseren Gedanken und Gefühlen zu entwickeln.
Um dies zu verdeutlichen, zieht Ricard die Analogie eines Lichtstrahls heran: Ein Lichtstrahl beleuchtet sowohl ein schönes Juwel als auch einen Müllhaufen, ohne selbst von dem, was er beleuchtet, beeinflusst zu werden. Ebenso bleibt das Bewusstsein unverändert, unabhängig davon, ob es angenehme oder unangenehme Gedanken und Gefühle wahrnimmt.
Diese Erkenntnis hat praktische Bedeutung für die Meditation und unsere tägliche Achtsamkeitspraxis:
1. Beobachtung von Gedanken und Emotionen
Indem wir erkennen, dass unser Bewusstsein von Natur aus neutral ist, können wir lernen, unsere Gedanken und Emotionen zu beobachten, ohne uns mit ihnen zu identifizieren. Dies ermöglicht es uns, Abstand zu gewinnen und nicht von ihnen überwältigt zu werden.
2. Transformation des Geistes
Das Verständnis der neutralen Natur des Bewusstseins zeigt uns, dass es möglich ist, den Inhalt unseres Geistes aktiv zu verändern. Negative Gedankenmuster und emotionale Reaktionen sind nicht fest verankert, sondern können durch gezielte Praxis und Meditation umgestaltet werden. Stichwort: Neuroplastizität unseres Gehirns – dazu später mehr.
Die Frage meines Teebeutel-Schildchens stellt sich als besonders spannend dar, wenn man sie genauer betrachtet. Hier einige Ansätze, um die Praxis der Achtsamkeit zu vertiefen und sie – quasi – auf eine höhere Ebene zu bringen:
Wissenschaftliche Perspektiven: Das Gehirn eines Buddhas
In Das Gehirn eines Buddhas gehen Rick Hanson und Richard Mendius der Frage nach, wie meditative Praktiken und Achtsamkeit das Gehirn beeinflussen. Hier einige wissenschaftlich fundierte Ansätze, die deine Praxis auf eine höhere Ebene heben können:
Neuroplastizität und Achtsamkeit:
Die Autoren zeigen auf, dass regelmäßige Achtsamkeits- und Meditationsübungen dazu beitragen, neuronale Netzwerke im Gehirn nachhaltig zu verändern. Durch wiederholte Praxis können Stressreaktionen reduziert und positive emotionale Zustände verankert werden. Diese Veränderungen sind die Grundlage dafür, dass Achtsamkeit nicht nur subjektiv erlebt, sondern auch messbar verbessert wird.
Emotionale Resilienz
Die Forschung von Hanson und Mendius legt nahe, dass Achtsamkeit dabei hilft, emotionale Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Durch das bewusste Erleben und Akzeptieren von Gefühlen wird das Gehirn trainiert, weniger impulsiv auf Stress zu reagieren und stattdessen einen Raum der Ruhe und Reflexion zu kultivieren.
Integration von Geist und Körper
Wissenschaftliche Studien belegen, dass meditative Zustände nicht isoliert im Kopf entstehen, sondern den gesamten Organismus beeinflussen.
Dieser holistische Ansatz zeigt, wie Achtsamkeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig wirkt – emotional, kognitiv und physisch.
Diese Erkenntnisse verleihen der Praxis der Achtsamkeit nicht nur einen spirituellen, sondern auch einen soliden wissenschaftlichen Hintergrund. Indem du diese beiden Perspektiven verbindest, schaffst du eine fundierte Basis, die dir hilft, das Hier und Jetzt noch intensiver und bewusster zu leben…auf einer neuen Ebene.
Die kleine Frage auf meinem Teebeutel-Schildchen war kein Zufall – sie war ein Weckruf, der mich daran erinnerte, wie wertvoll und vielschichtig Achtsamkeit sein kann. Durch die Kombination von traditioneller Weisheit und den modernen, wissenschaftlichen Erkenntnissen eröffnet sich eine faszinierende Möglichkeit:
Das Alltägliche zu transzendieren und den gegenwärtigen Moment auf eine transformative Ebene zu heben.
Ich lade dich ein, diesen Weg mit mir zu gehen und in deinem eigenen Leben zu erfahren, wie Achtsamkeit dir dabei helfen kann, deine Wahrnehmung zu schärfen, deinen Geist zu beruhigen und das Hier und Jetzt in all seiner Fülle und Schönheit zu genießen.
AHO.
In Munay,
Babette